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Impressionismus
Ausstellungen

Erste
Ausstellung
1874

Kunat ab 1865
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Exkurs
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Exkurs
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Resumee
Kunst ab 1840
Kunst 1865 - 1886
Kunst Theorie
Erste Impressionisten Ausstellung
"Société Anonyme des Artistes, Peintres, Sculpeurs, Graveurs –
Première Exposition"

15. April - 15. Mai 1874
Paris, Boulevard des Capuzines 35 (ehemaliges Atelier des Photographen Nadar)

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Claude Monet griff im Jahr 1873 eine Idee aus dem Jahr 1867 auf: Zusammen mit Bazille plante er damals eine eigene, selbst finanzierte Ausstellung in einer Gruppe. Grund war wohl die Erkenntnis, dass der wieder eingerichtete "Salon der Refüsierten" nichts am etablierten verkrusteten System der rückwärts gerichteten Kunst der alten Malerbarone änderte.

Edgar Degas - Café Guerbois

Man traf sich wie so oft, im Café Guerbois und dort besprach man eine Art Vereinigung zu gründen, um unabhängige Ausstellungen organisieren zu können. Paul Alexis (ein Journalist der auch im Café Guerbois verkehrte und den Malern sehr zugetan war) schrieb in einer Pariser Zeitung: "Diese Maler, die fast alle schon ausgestellt haben, gehören zu einer Gruppe von Naturalisten, die den gesunden Ehrgeiz haben, die Natur und das Leben in ihrer umfassenden Wirklichkeit zu malen." Hier werden die Maler immer noch als "Naturalisten" tituliert. Neben Monet wurden dabei genannt: Pissarro, Jongkind, Sisley, Béliard, Gautier und Guillaumin. Es gab auch gegenteilige Stimmen, die sagten, nur der offizielle Salon wäre der richtige Weg, dazu gehörte Eduard Manet, auch Degas war eher skeptisch.

Café Guerbois

Schließlich einigte man sich und am 27. Dezember 1873 wurde die Vereinigung gegründet. Zu den Gründungsmitgliedern gehörten: Monet, Renoir, Sisley, Degas, Berthe Morisot, Pissarro und dazu u.a. noch Béliard, Guillaumin, Lepic und Rouart.
Als nächstes wurden geeignete Räume gesucht, die sich bald im Atelier des Fotografen Nadar anboten. Räume im zweiten Stock eines Eckhauses am Boulevard de Capucines. Nadar wollte kein Geld für die Nutzung der Räume, die über eine eigene Treppe direkt vom Boulevard aus zu erreichen waren.

Der Fotograf Nadar (ca. 1870) - Selbstporträt

Atelier Nadar am Boulevard de Capucines

Man suchte weitere Künstler, um auch die Kosten niedrig zu halten. Pissarro konnte mit einigen Mühen Cézanne überreden. Von der älteren Generation schloss sich nur Boudin an. Jongkind ließ sich nicht mehr überreden, während Braquemond im letzten Moment zusagte.
Manet lehnte eine Teilnahme ab, weil er nicht mit Cézanne zusammen ausstellen wollte, genauso weigerte sich nun auch Fantin-Latour mit seinen früheren Freunden zusammen auszustellen.

Es kam dann doch eine ansehnliche Zahl Künstler zusammen, die an der Ausstellung von 1874 teilnahmen: Astruc, Attendu, Béliard, Boudin, Bracquemond, Brandon, Bureau, Cals, Cézanne, Colin, Debras, Degas, Guillaumin, Latouche, Lepic, Lepine, Levert, Meyer, de Molins, Monet, Berthe Morisot, Mulot-Durivage, de Nittis, A. Ottin, L.-A. Ottin, Pissarro, Renoir, Robert, Rouart, Sisley.
Die meisten werden heute wenigen bekannt sein, einige haben auch an keiner folgenden Ausstellung der Gruppe mehr teilgenommen.

Am 15. April 1874 war es dann soweit: Die Ausstellung wurde geöffnet, 1 Franc kostete der Eintritt, 50 Centimes der Katalog. Die Öffnungszeiten waren von 10 bis 18 Uhr und 20 bis 22 Uhr. Es wurden 165 Bilder gezeigt, die Hängung hatte Auguste Renoir fast alleine übernommen.

Die Ausstellung lief noch unter der Rubrik "Realismus". In der Ausstellung hing ein Bild von Monet, das er im letzten Moment noch umbenannte, da man sich über seine einfallslosen Titel mokierte. Er gab ihm den Namen: "Impression - Sonnenaufgang".

Die im Katalog von 1874 angegebenen Nummern werden im Folgenden dem Bildtitel vroangestellt. Die Bildertitel entsprechen denjenigen im Katalog.

Nr. 98 - Claude Monet: Impression - Soleil levant
1872 - 48 x 63 cm - Öl auf Leinwand
Musée Marmottan, Paris >
Dieses Bild wurde noch einmal in der 4. Ausstellung 1879 gezeigt

In der satirischen Zeitschrift "Le Charivari" erschien ein Artikel von Louis Leroy, in dem sich über praktisch alle Künstler der Ausstellung lustig gemacht wurde. Über das Bild von Monet schrieb er: "Impression – das dachte ich mir schon. Ich sagte mir gerade, da ich impressioniert bin, muss es sich auch um eine Impression handeln und welche Freiheit, welche Leichtigkeit des Handwerks! Eine Tapete in ihrem embryonalen Zustand ist ausgearbeiteter als dieses Seestück!"
"Impression" den Leroy als Spottname geprägt hatte, wurde aber in der Folge auch von sachlichen Kritikern aufgenommen. Castagnary, ein Freund von Edouard Manet, schrieb: "Wollte man ihre Absicht mit einem Wort charakterisieren, müsste man den neuen Begriff "Impressionisten" schaffen."
Das als verächtliches Schimpfwort gedachte Impressionismus wurde dennoch im Laufe der Jahre eine geachtete Bezeichnung und gilt heute für eine der größten Kunstepochen europäischer Malerei...

Hier nun Beispiele aus der ersten Ausstellung der Impressionisten im Jahr 1874. Beginnend mit Auguste Renoir, der in der Ausstellung die Bilder aller arrangiert hat:

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Auguste Renoir

Nr. 143 - Parisienne
1874 - 160 x 105 cm - Öl auf Leinwand
National Museum of Wales, Cardiff >

Nr. 142 - La loge
1874 - 80 x 63 cm - Öl auf Leinwand
The Courtauld Gallery, London >

Nr. 141 - Danseuse
1874 - 142 x 94 cm - Öl auf Leinwand
National Gallery of Art, Washington, DC >

Nr. 144 - Moissonneurs
1873 - 58 x 72 cm - Öl auf Leinwand
Privatsammlung

Nr. 145 - Fleurs
1873 - 65 x 54 cm - Öl auf Pappe (montiert auf Leinwand)
Museum of Fine Arts, Boston >

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Camille Pissarro

Nr. 136 - Le verger
1872 - 45 x 55 cm - Öl auf Leinwand
National Gallery of Art, Washington, DC >

Nr. 138 - Les chataigniers à Osny
1873 - 65 x 81 cm - Öl auf Leinwand
Privatsammlung

Nr. 137 - Gelée blanche
1873 - 65 x 93 cm - Öl auf Leinwand
Musée d'Orsay, Paris >

Nr. 139 - Jardin de la ville de Pontoise
1873 - 59 x 73 cm - Öl auf Leinwand
Hermitage Museum, St Petersburg >

Nr. 140 - Un Matinée du mois de juin
1873 - 55 x 91 cm - Öl auf Leinwand
Staatliche Kunsthalle, Karlsruhe >

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Claude Monet

Claude Monet hatte viel zu viele Bilder angeliefert. Außerdem ärgerte es die anderen, dass die Titel der Bilder recht einfallslos waren. So setzte er zu dem jeweiligen Ort noch eine weitere Bezeichnung hinzu. Das Bild, welches zum Namen der Impressionisten führte (Impression - Sonnenaufgang) hieß ursprünglich nur "Le Havre" Es gab mit gleichem Titel noch das unten gezeigte "Fischerboote in Le Havre".

Nr. 96 - Le Havre, bateaux de pêche sortant du port
1874 - 60 x 101 cm - Öl auf Leinwand
Privatsammlung

Nr. 97 - Boulevard des Capucines
1873 - 60 x 80 cm - Öl auf Leinwand
Pushkin Museum, Moskau >
(Das Bild ist vom Haus Nadars, dem Ausstellungsort aus gemalt)

Nr. 95 - Coquelicots
1873 - 50 x 65 cm - Öl auf Leinwand
Musée d'Orsay, Paris >

Nr. 103 - Déjeuner
1868 - 231 x 151 cm - Öl auf Leinwand
Städel Museum, Frankfurt am Main >

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Berthe Morisot

Berthe Morisot war das erste weibliche Mitglied in der Gruppe der Impressionisten. Frauen- und Kinderporträts, Interieurs und Küstenlandschaften zählen zu ihren typischen Motiven. Wie bei den männlichen Kollegen waren die meisten Urteile über ihre Malerei in der Ausstellung verheerend, aber es gab auch andere Stimmen, die positiv die Originalität ihrer Werke hervorhoben.

Nr. 106 - Cache-Cache
1873 - 46 x 55 cm - Öl auf Leinwand
Privatsammlung

Nr. 105 - Le berceau
1872 - 56 x 46 cm - Öl auf Leinwand
Musée d'Orsay, Paris >
(Die Schwester der Künstlerin und ihr Kind)

Nr. 107 - Marine
1869 - 65 x 95 cm - Öl auf Leinwand
National Gallery of Art, Washington, DC >

Nr. 108 - Portrait de Mademoiselle M. T.
ca. 1873 - 60 x 49 cm - Pastell auf Papier
Privatsammlung

Nr. 110 - Sur la Falaise
1873 - 18 x 23 cm - Aquarell auf Papier
Musée du Louvre, Paris >

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Paul Cézanne

Paul Cézanne, der mühsam überredet werden musste an der Ausstellung teilzunehmen, steuerte zu dieser Ausstellung dann lediglich 3 Bilder bei. Immerhin konnte er als einer der Wenigen eines seine Bilder verkaufen (Das Haus des Gehängten) für ca. 300 Franc.

Nr. 42 - La maison du perdu, à Auvers sur Oise
1873 - 55 x 66 cm - Öl auf Leinwand
Musée d’Orsay >

Nr. 43 - Une moderne Olympia
1873/74 - 46 x 55 cm - Öl auf Leinwand
Musée d’Orsay >

Nr. 44 - Paysage à Auvers
1873 - 46 x 55 cm - Öl auf Leinwand
Philadelphia Museum of Art >

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Edgar Degas

Degas, mit vollem Namen Edgar Germain Hilaire de Gas, nahm mit einer Ausname an allen Ausstellungen der Impressionisten teil, obwohl er selbst keinesfalls zu ihren Ansichten über die neue Malerei bekennen wollte, denn er hielt nicht viel von Malern, »die auf Feldwegen pinseln«. Die Bezeichnung Impressionismus missfiel ihm sehr und wusste es immer zu verhindern, dass diese Bezeichnung in den Ausstellungstiteln auftauchte. Seine Bilder entstanden nach Skizzen, Motiven, die er im Atelier dann sorgfältig ausarbeitete.

Nr. 60 - Répétition de ballet sur la scène
1874 - 65 x 81 cm - Öl auf Leinwand (Grisaille)
Musée d'Orsay >

Nr. 55 - Classe de dance
1870 - 20 x 27 cm - Öl auf Holzplatte
Metropolitan Museum of Art, New York >

Nr. 63 - Aux courses en province
1869 - 37 x 56 cm - Öl auf Leinwand
Museum of Fin Arts, Boston >

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Alfred Sisley

An der ersten Ausstellung der Gruppe im Jahr 1874, nahm auch Alfred Sisley mit einigen Werken teil.

Nr. 161 - Route de Saint-Germain
1872 - 46 x 61 cm - Öl auf Leinwand
McNay Art Museum - San Antonio >

Nr. 162 - Île de la Loge
1872 - 46 x 61 cm - Öl auf Leinwand
Ny Carlsberg Glyptotek, Copenhagen >

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Beispielhaft noch ein paar Künstler, nicht so bekannt, die für die Ausstellung einige Werke beigetragen haben.

Nr. 66 - Jean-Baptiste Guillaumin: Soleil couchant à Ivry
1869 - 65 x 81 cm - Öl auf Leinwand
Musée d´Orsay >

Nr. 37 - Adolphe Felix Cals: Le bon père, Pêcheur à Honfleur
1874 - 25 x 31 cm - Öl auf Leinwand
Musée Eugène-Boudin de Honfleur >

Nr. 83 - Stanislas Lépine: Bords de la Seine
1869 - 30 x 58 cm - Öl auf Leinwand
Musée d´Orsay >

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Die Zahl der Besucher war nicht wie erhofft. Es kamen in den vier Wochen etwa 3500 Menschen (Zum Vergleich: im Salon des gleichen Jahres wurden 400.000 Besucher gezählt, die etwa 4000 Kunstwerke betrachten konnten).

Foto aus der Ausstellung 1874

Man muss auch bedenken, dass die Meisten gekommen waren, um sich zu belustigen. Man schritt von Bild zu Bild und brach wieder und wieder in höhnisches Gelächter aus. Die Kritik in den Zeitungen hatte dazu wohl auch beigetragen, denn diese war zumeist vernichtend. "Das öffentliche Gewissen war empört!" schrieb einer und weiter: "Es war entsetzlich, töricht, gemein; diese Malerei ist wertlos!"

Karikatur von Chain
"Ausstellung der Impressionisten:
Impressionistische Malerei, eine Revolution in der Malerei, die in stillem Schrecken beginnt."

Es gab allerdings auch vereinzelt eher positive Kritiken, doch auch ihr Lob war eingeschränkt. Es begann anfangs mit aufmunternden Worten: "In helles Licht getaucht, ist alles Frohsinn, Klarheit, wie Frühlingsfeste, goldene Abende oder blühende Apfelbäumen Ihre nicht allzu großen Bilder scheinen Fenster, ... die das bezaubernde Leben im Freien freigeben." Der Kritiker setzte aber hinzu: "Sie wählen ihre Motive nicht mit Sorgfalt früherer Landschaftsmaler aus, im Gegenteil, und das finde ich peinlich. dass noch immer ein Meister fehlt, der die Versuche zusammenzufassen, ihnen Form zu geben und sie zu vollenden vermag."

Es waren zu wenige Interessenten auch für Bilderkäufe. Dementsprechend wurden die Kosten der Ausstellung zu einer Katastrophe. Nach der endgültigen Abrechnung ergaben sich trotz Einnahmen von ca. 10.000 Franc Außenstände von über 3700 Franc. Da schien die Auflösung der Gesellschaft der richtige Weg zu sein. Für die Liquidation waren dann verantwortlich Renoir, Sisley und Bureau.

Der Ausdruck "Impressionismus" wurde von einigen Malern der Gruppe schon bald akzeptiert und dadurch gaben sie ihm einen wirklichen Sinn.

Es war ihr Anspruch in Form und Ausdruck nahe an die Erscheinung der Dinge heran zu kommen, näher als es je vorher erreicht wurde. Von den Traditionen befreiten sie sich und arbeiteten den Stil immer weiter aus. Er erlaubte ihren Entdeckungen und ihren Empfindungen zu folgen. Auf den Anspruch die Realität wiederzugeben, verzichteten sie, es zählte nur ein Element der Wirklichkeit: das Licht! Renoir sagte einmal zu der Malerei: "Im Freien mogelt man immerzu!" Wobei diese "Mogelei" im Wesentliche darin bestand, unter einer Vielzahl an Augenblicken in der Natur einen auszuwählen und diesen in Farben und Malweise so wiederzugeben, dass es dem eigenen Eindruck nahekam.

Die Öffentlichkeit war noch nicht bereit, sich mit solchen Neuerungen anzufreunden. Seit der Zeit ihrer Lehrer Courbet und Corot, sowie den Malern von Barbizon, hatten sie große Fortschritte erzielt. Ihre Überzeugungen gaben sie trotz aller Angriffe nicht auf. Die Impressionisten setzten ihre schöpferische Arbeit dennoch weiter fort, "wie eine Schauspieltruppe, die jeden Abend vor leerem Saal spielt." ...

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