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Kunst ab 1840
Kunst 1865 - 1886

Impressionismus
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Resümee

.Die Kontakte der Maler, die zu den Impressionisten und ihrem Umkreis gerechnet werden, waren vielfältig. Die Schülerin von Camille Corot, Berthe Morisot, schloss sich dem Kreis an. Allerdings war ihr der Stil des Lehrers zu konventionell. Henri Fantin-Latour stellte die Malerin Eduard Manet vor. Es entstand eine enge Freundschaft. Manet hat Morisot mehrmals gemalt, so in dem Bild "Le balcon" (sitzend im Vordergrund)

Éduard Manet - Le balcon
1869 - 169 x 125 cm - Öl auf Leinwand
Musée d’Orsay, Paris >

Berte Morisot - Deux soeurs sur un canapée
1869 - 64.9 x 94 x 5 cm - Öl auf Leinwand
National Gallery of Art - Washington DC >.

Manche der Maler benützten zeitweise das gleiche Atelier oder zogen in den gleichen Ort. Der Austausch war intensiv. Ein Treffpunkt war das Café Guerbois. Das Café befand sich in der Nähe der Ateliers von Édouard Manet und Frédéric Bazille. Gegenüber lag zudem ein Geschäft für Künstlerbedarf. Ab 1866 trafen sich im Café Guerbois neben Manet und Bazille die Malerkollegen Henri Fantin-Latour, Claude Monet, Pierre-Auguste Renoir, Alfred Sisley, Edgar Degas, Felix Bracquemond, Camille Pissarro und andere. Zu den weiteren Gästen gehörte der Bildhauer Zacharie Astruc, der Fotograf Nadar und die Schriftsteller und Kunstkritiker Émile Zola, Édmond Duranty und Théodore Duret. Seltener erschien auch Paul Cézanne im Café Guerbois.

Éduard Manet - Le Café Guerbois (1869)

Henri Fantin-Latour - Un atelier aux Batignolles
1870 - 204 x 273 cm - ÖL auf Leinwand
Musée d’Orsay, Paris >

An der Staffelei sitzt der Maler Édouard Manet. Neben Manet sitzt der Kunstkritiker, Maler und Bildhauer Zacharie Astruc. Hinter den beiden stehen von links nach rechts die Maler Otto Scholderer und Pierre-Auguste Renoir, der Kunstkritiker und Schriftsteller Émile Zola, dann Edmond Maître, sowie die Maler Frédéric Bazille und Claude Monet.

Es wurde in den Kreisen der Künstler viel diskutiert und schon da war festzustellen, dass es um die heute als Impressionisten bezeichnete Gruppe kein wirklich künstlerisches homogenes Band gab. Die Auffassungen über die Malerei waren doch zu verschieden. Wenn man beispielsweise Manet und Degas auf der einen Seite betrachtet und Monet und Pissarro auf der Anderen, wird das schnell klar. Waren letztere beiden absolut davon überzeugt, wirklich sehen lernen und malen könne man nur in der Natur selbst, mit seinem Sonnenlicht zu den verschiedensten Tageszeiten, so waren erstere kaum oder gar nicht dazu zu bewegen, das Atelier für die Malerei zu verlassen. Was sie einte war der Kampf gegen die etablierten rückwärts gewandten Bild-Produktionen eines Cabanel, einer Rosa Bonheur u.a., die die Salons beherrschten und der seichten Malerei im Publikumsgeschmack frönten. Das konnte man auch an den für Bilder erzielten Kaufpreisen ablesen: Wurden für Bilder von Monet oder Renoir vielleicht 50 - 100 Franc ausgegeben (manche Impressionisten erzielten hin und wieder mal "erstaunliche" 200 Franc) war das Meiste allerdings schier unverkäuflich... so konnten Cabanel und ähnliche "Größen" locker 5.000 bis 10.000 Franc und mehr verlangen.

Édouard Manet - Le petit-déjeuner dans l'atelier
1868 - 118 x 154 cm - Öl auf Leinwand
Neue Pinakothek, München >

Edgar Degas - La violence
1868/1869 - 81.3 x 114.3 cm - Öl auf Leinwand
Philadelphia Museum of Art, Philadelphia >

Claude Monet - La Seine à Bougival le soir
1869 - 73,5 x 60 cm - Öl auf Leinwand
Smith College Museum of Art, Northampton, Massachussetts >

Camille Pissarro - Route de Versailles, Louveciennes
1869 - 38.4 x 46.3 cm - Öl auf Leinwand
The Walters Art Museum, Baltimore >

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Hier noch einmal zur Differenzierung die damals anerkannte Kunst:

Alexandre Cabanel - Der Tod von Francesco da Rimini und Paolo Malatesta
1870 - 184 x 255 cm - Öl auf Leinwand
Musée d’Orsay, Paris >

Rosa Bonheur - La foire du cheval
zwischen 1852 - 1855 - 244 x 506 cm - Öl auf Leinwand
Metropolitan Museum of Art, New York >

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War ein Teil der Maler finanziell unabhängig, wie Manet, Degas oder Pissarro, so hatten die anderen laufend Geldsorgen. Monet musste in der Zeit mehrmals vor seinen Gläubigern flüchten, schließlich ging es nicht mehr um seine Malerei, sondern ums nackte Überleben. So schrieb er an Bazille: "Renoir bringt uns Brot, damit wir nicht verhungern." Und ein anderes mal: "Seit acht Tagen haben wir kein Brot, kein Feuer und Licht, es ist grauenhaft." Da ihm nun auch Material fehlte, musste er seine künstlerische Arbeit für eine Weile einstellen. Renoir ging es nicht viel besser, er hatte Schulden bei den Lieferanten.

Dennoch verloren sie nicht den Mut. Monet und Renoir besuchten damals häufig "La Grenouillère" ein Restaurant mit Badeanstalt an der Seine. Das Studium der Reflexe im Wasser spielte eine große Rolle für beide Maler. Die beiden folgenden auf einem gemeinsamen Ausflug gemalten Bilder zeigen das.

Claude Monet - La Grenouillère
1869 - 75 cm x 100 cm - Öl auf Leinwand
Metropolitan Museum of Art, New York
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Auguste Renoir - La Grenouillère
1869 - 66 cm x 81 cm - Öl auf Leinwand
Schwedisches Nationalmuseum, Stockholm >

Frédéric Bazille widmete sich ebenfalls der Malerei im Freien. Es entstand das große Bild "Die Badenden". Es ist aber ein Widerspruch zu erkennen in der Behandlung der Landschaft, die schon sehr frei in lebhaften Pinselstrichen gearbeitet ist und den Personen, die mehr oder weniger glatt gemalt sind.
In der Zeit zog Bazille in ein neues Atelier und dort entstand ein Bild mit seinen Malerkollegen.

Frédéric Bazille - Les baigneurs
1869 - 160 x 160.7 cm - Öl auf Leinwand
Harvard Art Museums, Cambridge, Massachusetts >

Frédéric Bazille - Atelier Bazille, Rue de la Condamine
1870 - 98 x 128 cm - Öl auf Leinwand
Musée d’Orsay, Paris >

Die Künstler wurden allgemein dem Realismus wie Courbet und Corot zugeordnet. Die Bezeichnung "Impression" fiel zwar da und dort vereinzelt in Beschreibungen, wurde aber 1870 noch nicht mit der Gruppe von Malern wie Manet, Monet, Renoir oder Degas und anderen direkt verbunden.

Der Malstil, der Umgang mit dem Schatten zeichnet sich in diesen Jahren aber sehr deutliche ab. Die Frage des Schattens war oft Stoff reger Diskussionen im Café Guerbois. Die Meinungen gingen darüber allerdings weit auseinander. Meinte Manet: "... das Licht erscheine ihm in einer solchen Einheit, dass ein einziger Ton genüge, um es darzustellen und es sei besser, auch wenn es roh anmute, schroff vom Licht zum Schatten überzugehen..." Dagegen standen die Maler, die in der Natur arbeiteten, wie Monet oder Pissarro. Nach ihrer Ansicht gab es die schlichte Aufteilung in beleuchtete und nichtbeleuchtete Flächen nicht. Für sie waren Schattenpartien nicht farblos und auch nicht einfach dunkler, das waren für sie dunkle Flächen mit reichen Farbtönen, die im Komplementärfarbton besonders in Blau erscheinen. Die pechigen Schwarztöne für die Schattenpartien der alten Meister wurden ersetzt. Schatten beispielsweise in Schnee sind eben nicht schwarz, sondern eher blau, bedingt durch die Umgebung, den Himmel.

Die Arbeiten aller wurden 1870 lebendiger, luftiger und lichtdurchflutet. Die Darstellung der Menschen wurden natürlicher..

Edgar Degas - Orchestra musicians et Ballet
1870 - 69 x 49 cm - Öl auf Leinwand
Städel Museum, Frankfurt >

Eduard Manet - Dans le jardin
1870 - 44,5 x 54 cm - Öl auf Leinwand
Shelburne Museum (Vermont) >

Claude Monet - Sur la plage à Trouville
1870 - 38 x 46 cm - Öl auf Leinwand
Musée Marmottan Monet, Paris >

Auguste Renoir - Odalisque
1870 - 69 x 122 cm - Öl auf Leinwand
National Gallery of Art, Washington D.C. >

Auguste Renoir - Promenade
1870 - 81 x 65 cm - Öl auf Leinwand
J. Paul Getty Museum, Los Angeles, California >

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Die Jahre 1870/1871

Der Ausbruch der Feindseligkeiten zwischen Frankreich und Deutschland überraschte viele der Künstler in ihrer Arbeit und ihrer Entwicklung hin zum Impressionismus. Bazille trat in die Armee ein, Renoir wurde zu den Kürassieren eingezogen und kam nach Bordeaux, wo er Pferde zureiten musste, obwohl ihm das neu und fremd war. Degas diente bei der Artillerie. Cesanne hätte auch den Dienst an der Waffe antreten müssen, wurde aber von seinem Vater freigekauft.

Die militärische Lage verschlechterte sich für Frankreich fast täglich. Die Deutschen waren zahlenmäßig und in der Ausrüstung weit überlegen. Pissarro musste seine Unterkunft verlassen, all seine Bilder auch die ihm von Monet übergebenen musste er zurücklassen. Er flüchtete erst in die Bretagne, danach Richtung London. Wie er später erfuhr, hatte das deutsche Militär sein Haus beschlagnahmt und die Bilder wurden im Garten auf dem Boden verteilt und damit zerstört. Monet entschied sich nach einigem Hin und Her ebenfalls nach London zu flüchten, ließ aber Frau und Kind zurück.

Manet hatte seine Familie nach Südfrankreich gebracht. Er versuchte auch die Familie Morisot zu überreden Paris zu verlassen, doch diese blieben in der Stadt. Sie erlebten die Belagerung von Paris im Winter 1870/71, die für alle sehr entbehrungsreich wurde. Die Nahrungsmittel wurden knapp und teuer, Heizung oftmals unerschwinglich. Hunger und Epidemien waren die Folge.
Bazille fiel am 28. November.

In London lernte Monet Paul Durand-Ruel kennen (der Sohn des Mannes, der jahrelang die Maler von Barbizon unterstützt hatte), der ihm einige Bilder abkaufte. Auch von Pissarro kaufte Durand-Ruel in London einige Bilder, konnte sie aber dort nicht weiterveräußern.

In Paris wurde im März 1871 die Kommune ausgerufen. Courbet wurde Volksvertreter. Renoir kam zurück nach Paris. Sisley, der englischer Staatsbürger war, hatte die Zeit weiter in Frankreich verbracht. Allerdings wurde die Familie durch große Verluste ruiniert, sodass Sisley nun Schwierigkeiten hatte, seine Familie zu versorgen. Soweit es ging, halfen sich die Malerkollegen gegenseitig aus mit Farben und Leinwand.

Auf die Niederlage der Kommune folgten furchtbare und sehr blutige Vergeltungsmaßnahmen. Courbet wurde verhaftet und zu einer Gefängnisstrafe verurteilt.
Manet war aus Südfrankreich zurückgekehrt, auch Pissarro und Monet kamen nun aus London wieder zurück.

Die nun folgenden Jahre sollten als die Jahre der Impressionisten in die Kulturgeschichte eingehen. Eine Zeit, in der Frankreich trotz der Niederlage gegen Deutschland den größten Einfluss auf das kulturelle Leben in Europa nehmen sollte. Aber es dauerte noch viele Jahre bis ihre Bedeutung in der Welt aber auch in Frankreich selber anerkannt wurde.

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Ein kurzer Blick auf das druckgrafische Werk vor der ersten Impressionistenausstellung.

Der bis dahin beherrschende Kupferstich eignete sich wegen seiner schwierigen Bearbeitung nicht für eine schnelle Arbeitsweise. Die Radierung war da geeigneter für die Impressionisten.
Allerdings verlangt Druckgrafik ein höheres Maß an Vorstellung und es erfordert einen Plan in der Ausführung. Deshalb war die Anziehung dieser Kunstart für einige Impressionisten eher gering. Beispielsweise Claude Monet fand keinen Reiz an ihr, es fehlte ihm die spontane Arbeitsweise, während Eduard Manet, Paul Cézanne oder Armand Guillaumin sich dieser Druckkunst widmeten.

Eduard Manet - Berthe Morisot
1872 - 12 x 8 cm - Radierung

Eduard Manet - Schlange vor der Schlachterei
1870/71 - 23,8 x 15,9 cm - Radierung in brauner Tinte auf Bütten

Paul Cézanne - Mädchenkopf
1873 - 31,7 x 22,9 cm - Radierung

Paul Cézanne - Paysage à Anvers
1873 - 17 x 14 cm - Radierung

Armand Guillaumin - Rue Barrault - Radierung (1873)

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