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Impressionismus
Ausstellungen

Sechste
Ausstellung
1881

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Kunst 1865 - 1886
Kunst Theorie

Die sechste Impressionisten Ausstellung 1881
"6me Exposition de Peinture"
2. April bis 1. Mai 1881 - Paris, Boulevard des Capucines 35


Hatte die fünfte Ausstellung schon zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen den Künstlern geführt, schon allein über die Bezeichnungen "Impressionist" oder "Unabhängig" für den Titel der Veranstaltung, gab es auch diesmal wieder viel Streit. So waren von den bekannten impressionistischen Malern nur noch drei geblieben, die sich über all die Jahre mit Leib und Seele für die Ausstellungen einsetzten und sie organisierten: Berthe Morisot, Camille Pissarro und Gustave Caillebotte.

Doch auch zwischen ihnen gab es Meinungsunterschiede, als sie die sechste Ausstellung planten. In einem erhaltenen Brief an Pissarro erklärte Caillebotte seinen Standpunkt. Er war sehr verärgert, wie Degas seine Freunde in die Ausstellungen brachte, die nach Ansicht aller jedoch keine Impressionisten waren, wie Raffaëlli, Rouart, Tillot, Vidal oder Zandomeneghi u.a.. So schlug er vor, nur diejenigen für eine neue Ausstellung zu gewinnen, die wirkliches Interesse am Impressionismus hätten. Er legte Pissarro folgende Liste vor: "Sie (Pissarro), Monet, Renoir, Sisley, Mme Morisot, Mlle Cassatt, Cézanne, Guillaumin; wenn Sie wollen Gauguin… und ich. Das wären alle, da Degas eine solche Veranstaltung ablehnen wird." Er setzte noch hinzu: "Degas stiftete Uneinigkeit unter uns. Es ist ein Jammer, dass er einen so unerfreulichen Charakter hat."

Pissarro konnte und wollte Degas nicht verärgern und schrieb zurück: "Er (Degas) ist ein schrecklicher Mensch, aber aufrichtig und anständig!" Pissarro war eben Degas verpflichtet, weil in schweren finanziellen Zeiten hatte er ihm sehr geholfen.

Auch wenn die Voraussetzungen schwierig waren, kam dann doch eine Ausstellung zustande, in einem Hinterhof-Haus am Boulevard de Capucines. Caillebotte hatte nach dem ablehnende Brief durch Pissarro entschieden selbst nicht teilzunehmen. So verblieben von den bekannten impressionistischen Malern nurmehr: Mary Cassatt, Edgar Degas, Paul Gauguin, Berthe Morisot und Camille Pissarro. Es waren also, bis auf Pissarro, nur diejenigen verblieben, die finanziell immer schon gut situiert waren.
Insgesamt haben 13 Künstler ihre Werke gezeigt. Allerdings war der Beitrag von Degas, um den der Streit ja ging, recht kümmerlich, allerdings hatte er die Organisation übernommen. Auch Berthe Morisot hat nur wenige Bilder beigesteuert. Pissarro zeigte mit 28 Bildern am meisten.
Emile Zola schrieb darauf in der Zeitung, dass die Gruppe der Impressionisten nicht mehr existiere.

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Edgar Degas

Die Figur der Tänzerin war Degas einziger wichtiger künstlerischer Beitrag zu dieser Ausstellung. Allerdings nicht als Guss, sondern als Wachsmodell mit Tüllrock und Haarschleife. Das was man heute im Museum bewundern kann, ist ein Bronze Abguss, der erst nach dem Tode von Degas hergestellt wurde.
Zunächst zwei Zeichnungen dazu, Degas hatte sich wie immer sehr sorgfältig mit dem Thema auseinander gesetzt (Nicht in der Ausstellung 1881 zu sehen):

Einer der heute bekannten Abgüsse in Bronze mit Tüllröckchen und Haarschleife:


Ansonsten lieferte Degas nur ein paar Zeichnungen, weil er von dem Streit zwischen Caillebotte und Pissarro erfahren hatte und meinte, sich zurückhalten zu müssen.:

Physignomie de criminel

Portraits im Fries

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Mary Cassatt

Mit Degas verband Mary Cassatt eine bewundernde Freundschaft, in der es infolge der Natur des Malers oft zu Brüchen kam. Umgekehrt bewunderte auch Degas die amerikanische Malerin, die doch so ganz »Dame« war. Er malte sie mehrmals, benutzte sie als Modell für seine Hutmacherinnenserie und verewigte sie in den schönen Zeichnungen »Mary Cassatt im Louvre«.
Sie selbst rechnete sich nicht zu den Impressionisten, mit denen sie ausstellte. Dennoch ist der Einfluss von Renoir und Degas durchaus in den Bildern zu sehen. Sie übersetzte den Stil der beiden Maler ins weibliche. Seitdem sie Manet, Renoir und Degas folgte, konzentrierte sie sich fast ausschließlich auf Porträts. Vom Künstlergetriebe ihrer Impressionisten-Kollegen hielt sie sich jedoch fern. In ihrer Wohnungen war sie für Staatsmänner, Dichter und berühmte Künstler eine souveräne Gastgeberin.

Bilder die Mary Cassatt in der sechsten Impressionisten Ausstellung gezeigt hat:

L'Automne

Le Thé

Le jardin à Marli - Lydia

Mère et enfant

Lecture

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Paul Gauguin

Ein Kritiker, der bis zur Ausstellung 1881 mit den Impressionisten wenig anfangen konnte, Joris Karl Huysmans, schrieb in einer Zeitung zu 6. Ausstellung: "die neue, lang gesuchte Formel ist ganz verwirklicht…". Der Impressionismus habe sich von der Aphasie abgewandt und sei durch ein Wunder verständlich geworden. Die Statuette von Degas empfand er als "den einzigen wirklich modernen Versuch, den ich in Plastik kenne,…"
Auch über Paul Gauguin war er des Lobes voll. Einen Akt beschrieb er ausführlich:

Étude de Nu

"Hier ist ein Mädchen unserer Tage, ein Mädchen, das nicht für das Publikum posiert, das, weder unzüchtig noch geziert, schlicht mit dem Ausbessern seiner Kleidung beschäftigt ist … Die nackte Frau! Wer hat sie, wie sie ist, herrlich und echt, ungekünstelt, ohne Verfälschung ihrer Gesichtszüge und Körper, gemalt?" Die Leistung von Gauguin ist da wohl von Huysmans ein wenig übertrieben, wenn man die mit der von Degas oder Renoir vergleicht.

Insgesamt war aber eine Art Trendwende erkennbar in der Beurteilung der impressionistischen Malerei durch Presse und Öffentlichkeit. Im offiziellen Salon waren Manet und Renoir inzwischen anerkannt und es gab dort schon einige Maler, die sich an der impressionistischen Art zu malen, anfingen zu orientieren.

Weitere Bilder die Paul Gauguin aus dem Jahr 1881 zur Ausstellung beigesteuert hat:

Sur une chaise (La Mandoline)

Le Terrain de ma Propriétaire

Une Nuit à Vaugirard

La Chanteuse (Médaillon)
Portrait Valérie Roumi

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Armand Guillaumin

Guillaumin hatte schon an vorhergehenden Ausstellungen der Impressionisten teilgenommen. Auch wenn er nicht so bekannt ist, kann man ihn als einen Maler dieser Kunstrichtung bezeichnen. Die Ausbildung war zunächst autodidaktisch, da er seinen Lebensunterhalt bei der Eisenbahngesellschaft oder einem Straßenbauamt erarbeiten musste. An der Akademie Suisse begegnete er Cézanne und Pissarro, mit denen er lebenslang befreundet blieb.

Guillaumin malte hauptsächlich Landschaften.

Quai Sully

Quai de la Râpée

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Berthe Morisot

Die Besonderheit Berthe Morisots bestand darin, ihre Malerei gelebt und ihr Leben gemalt zu haben, als wäre für sie die Wechselbeziehung zwischen Beobachtung und Handlung, zwischen Schöpferwille und Licht eine natürliche und notwendige Funktion gewesen, die engstens mit ihrem Lebensplan zusammenhing. Wie wir einen Gedanken aufgreifen und wieder fallen lassen, so griff sie zum Pinsel und legte ihn wieder nieder. (Paul Valery)

Sie soll willensstark und selbstkritisch gewesen sein. Um als Künstlerin bestehen zu können, musste sie sich gegen Vorurteile der bürgerlichen Gesellschaft des 19. Jahrhunderts behaupten. Dank ihrer Herkunft aus gutbürgerlichem Haus, war sie materiell abgesichert. Es war deshalb einfacher für sie, ein umfangreiches Werk zu schaffen.
Ihre Motive beschränkten sich auf Porträts und Landschaften ihrer Umgebung. Mit zarter Farbpalette hielt sie alle Nuancen fest. Durch das Vorbild ihrer Freunde Édouard Manet, Pierre-Auguste Renoir und Claude Monet änderten sich Farben und Pinselstrich im Laufe der Jahre, wobei sie aber immer ihren sehr eigenen Stil in ihre Arbeit einfließen ließ.
Zur Ausstellung 1881 reichte sie nur sehr wenige Werke ein.

Nourrice et bébé

Dame à l'ombrelle

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Camille Pissarro

Etwa um 1880/1881 ändert Camille Pissarro seinen Malstil. Er studiert intensiv wieder die Farbenlehre und arbeitet nun mit reinen unvermischten Komplementärfarben. Auch einen immer kürzeren Pinselstrich setzt er ein, um eine Vermischung der reinen Farben zu einer Gesamtharmonie beim Betrachter zu erreichen. Inhaltlich beschreibt er unpathetisch das bäuerliche Leben. Die Bäuerinnen mit ihren Hauben und langen Kleidern weisen darauf hin, dass er seine Lehrmeister Courbet und Millet, nie in seiner Arbeit vergessen hat.

Théodore Duret schrieb, Pissarros Impressionismus entbehre jeglicher Vergänglichkeit: „…seine Naturbeschreibungen zeichnen sich durch ihre Vereinfachung aus, bei der jedoch auch der Aspekt der Beständigkeit zum Ausdruck kommt. (…) Pissarros Gemälde vermitteln im höchsten Maße den Eindruck von Weitläufigkeit und Einsamkeit, es geht eine gewisse Melancholie von ihnen aus”.

La sente du choux en mars

Chaumières au Val Hermé

Fendeur de bois
Père Melon

La foire de la Saint-Martin, Pontoise
La Marchande de Marrons

La ravoudeuse

Le Boulevard de Clichy, effet de soleil d'hiver

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Hier noch ein Beispiele von Jean-François Raffaëlli, dessen Teilnahme u.a. zum Streit zwischen den Impressionisten geführt hatte und unter anderem Caillebotte veranlasste an dieser Ausstellung nicht teilzunehmen

Jean-François Raffaëlli: Die Absinthtrinker

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Zum Abschluss des Berichtes über die sechste Ausstellung noch ein Blick auf diejenigen Impressionisten, die dort nicht vertreten waren, mit Bildern aus den Jahren 1880/81.

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Marie Bracquemond

Sur la terasse à Sèvres

Le Goûter

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Gustave Caillebotte

La leçon de piano

Chemin montant

Boulevard Haussmann, effet de neige

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Paul Cézanne

Nature morte avec fruits

Maisons dans la verdure

Virage de Route

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Claude Monet

Chemin sur l'île de Saint Martin, Vetheuil

Vase de fleurs

Vue prise de Greinval

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Auguste Renoir

Deux filles en noir

Jeun fille avec un éventail

La piazza St. Marco à Venise

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Alfred Sisley

Chemin de Veneux

Saint Mammes le matin

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Édouard Manet

Le printemps

Mon jardin

Un bar aux Folies-Bergère

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