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Kunstbetrachtung

Das "Beurteilen" und vor allem das "Verurteilen", (der Wortstamm ist da schon gleich) von Kunst ist eine gern und munter gepflegte Angelegenheit. Viele meinen, sich in "Schwarz-Weiß" Manier äußern zu müssen. Daumen rauf – Daumen runter. All das Lebendige, die schönen und interessanten Zwischentöne, die sich in der Kunst seit Jahrhunderten bis heute entwickeln, werden ignoriert.

Die meisten reagieren bei dem Thema wenig rational eher emotional, einige bedauerlicherweise auch ohne wirkliche Kenntnis und, das muss leider auch festgehalten werden, nicht unbedingt objektiv. Über Kunst (und ich meine hier bildende Kunst) sagt man, lässt sich trefflich streiten. "Kunst ist, was (mir!) gefällt!" Ein echtes Totschlagargument, welches zu keiner wirklichen intensiven Betrachtung und lernenden lebendigen Einlassung mehr führt, im Gegenteil mehr zu festgefahrenen verkrusteten "Überzeugungen", zur simplen Selektion der Qualität nur durch eigenen Gusto, jedoch auch oft zum jeweils eigenen persönlichen Stillstand.
All dies eine sehr eigenartige Art der Argumentation. Denn der Einzel-"Geschmack" (was für ein echt verlässliches und allgemeines Kriterium der Kunst ist das eigentlich für andere Menschen?) wird gestellt über jedes eingängige und umfassende auch tradierte und allgemein anerkannte Wissen und die allgemeine Anerkennung in der bildenden Kunst.
Im Grunde ist jede Diskussion damit leider fast abgeschlossen (fast! – die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt!), da jeder immer von sich die Ultima Ratio behauptet, über Kunst als solche zu urteilen oder eben sie verurteilen zu können.

Die Schulen vermitteln inzwischen leider viel zu wenig Wissen über bildende Kunst und vieles wird dadurch marginalisiert, wie beispielsweise das Wissen um den Unterschied zwischen Kitsch und Kunst oder zwischen Kunst und "gut gemeint" zu sehen.

Würde man solche lockere Diskussionen über Kunst einfach mal auf die Arbeit eines Möbelmachers übertragen, so würden die von den Betrachtern (in der so vermeintlich typischen Art der Kunstbetrachtung) kommenden üblichen Kommentare dem Schreiner graue Haare wachsen lassen. Der Unterschied von echter guter schreinerischer ideenreicher qualitativer Arbeit und eher billiger industrieller Fertigung, wird nicht oder nur selten gesehen.
Auf der Handwerksmesse in München erlebte ich einmal folgende Szene. Ich besuchte mit einem Freund den Stand eines Schreiners, einer der wirklich sehr gute handwerkliche und schöpferische Arbeit liefert. Während wir so redeten, wies er uns auf Folgendes hin: "Ihr müsst mal ansehen, was manche Menschen machen, wenn sie auf den Stand kommen. Sie fühlen mit den Fingern unter (!) die Tischplatte. Schon an dem einfachen Griff erkennst du den Schreiner. Wenn diese dort fühlen, dass das Holz wie auf der Oberseite fein bearbeitet worden ist, dann nicken sie anerkennend!" Es war wirklich erstaunlich, er hatte vollkommen Recht, dieser Griff war symptomatisch.
Diese Geschichte erwähne ich als Beispiel zur Frage, von Qualität und der Kenntnis davon. Die Schreiner kannten die Stellen genau, die leicht mal vernachlässigt werden, aber die Qualität verringern. Es zeigt auch: wirkliche Kenntnis erfordert sehr eingehendes Lernen.
Dieses feinfühlige und wirklich kenntnisreiche Wissen fehlt im Bereich der Kunstbeurteilung leider allzu oft!

Kunstschaffende sind, so wird oft gesagt, dem "Mainstream" voraus. Zumindest manchmal. Das wird für alle Kunstrichtungen angenommen. In der Musik oder eben in der Bildendenden Kunst. Aber es ist wohl auch ein Fakt, dass die Mehrheit der Menschen recht konservativ und unbeweglich ist, sich an "Bewährtes", schon Anerkanntes klammernd. Es dauert oft viele Jahrzehnte, manchmal auch ein Jahrhundert, bis sich etwas Neues aus der Kunst durchsetzt und in den Köpfen als "gut" oder auch dem eigenen "Gefühl" entsprechend festlegt.

Ein Beispiel, wie hier schon erwähnt: Die Impressionisten galten zu ihrer Zeit als wertlose Schmierer. Heute sind diejenigen, die damals zur gleichen Zeit hochgelobt wurden und teilweise horrende Preise für ihre Arbeit verlangen konnten, fast vergessen, gerade ihre Kunst gilt nicht mehr als wirklich überzeugend, sie wirkt heute wie totgemalt. Die Impressionisten werden aber heute ganz allgemein als die wirklichen wahren Künstler, die Neuerer der damaligen Zeit gehandelt, die der Kunst wesentliche neue und lebendige Impulse gaben!

Der Mainstream allgemeiner Kunstbetrachtung und des Kunstverständnisses ist aber inzwischen seit dem Jahr 1860 schon weiter gezogen und vielleicht so etwa in den 20er-Jahren des 20. Jahrhunderts angekommen. Denn nicht nur die Herstellung und Art der Kunst ändert sich laufend, sondern auch die Rezeption durch die Betrachter. Doch es gibt sicher noch langsame Nachhuten, die sich im Jugendstil oder sogar noch im Klassizismus verlieren, die sicher ihre Qualitäten und Berechtigung hatten und immer noch haben, denn wirkliche Qualität bleibt uneingeschränkt bestehen.
Es existieren aber auch welche, die unbeweglich in singulärer Sichtweise verharren – ein erstaunlicher Anachronismus in dem heutigen modernen Leben. Man hat allgemein beispielsweise ganz selbstverständlich modernste PCs im Besitz mit all ihrer Veränderung des Lebens und verehrt aber sehr ausschließlich Kunst, die zu Zeiten entstand, bevor die ersten elektrischen Glühlampen die Orte beleuchteten…

Die heutigen Künstler stehen beispielsweise vor dem gleichen Problem, wie damals die Impressionisten: Das Verständnis für ihre Arbeit hat keine allgemeine Basis im allgemeinen heutigen Wissen und Fühlen um Kunst.
Das wird sich ändern! Langsam, aber bestimmt. Beileibe nicht für alle heute Kunstschaffenden, aussortiert wurde immer schon mit aller Brutalität und Notwendigkeit. Das muss auch sein! Bestehen bleibt eben nur die wirkliche Qualität der jeweiligen Kunstrichtung und Kunstepoche, wie ebenfalls die der Impressionisten – auch wenn das mancher heute noch nicht sehen und verstehen kann oder will.

Alles fließt… Es gibt keinen Stillstand auf dieser Welt. Schon gar nicht in der Kunst.

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