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Impressionismus
Ausstellungen

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Ausstellung
1876

Kunat ab 1865
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Exkurs
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Resumee
Kunst ab 1840
Kunst 1865 - 1886
Kunst Theorie

.Zweite Impressionisten Ausstellung
"La 2e Exposition de Peinture"
30. März - 30.
April 1976
Paris, Galerie Paul Durand-Ruel, Rue le Peletier 11

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Die zweite Ausstellung der Impressionisten fand in der Galerie von Paul Durand-Ruel statt, in der Rue de Peletier.

Paul Durand-Ruel, der als einer der Begründer des heutigen Galeriewesens gilt, hatte sich früh für die Maler von Barbizon eingesetzt und ihnen in der Kunstwelt damit einen Platz und Geltung verschafft. Auch Courbet und Corot vertrat er als Galerist.

Marcellin Desboutin - Portrait Paul Durand-Ruel

Nun setzte er sich für die impressionistischen Maler ein. Zunächst gab er ihnen Raum zum Ausstellen ihrer Werke. Seine Werbung für die Malergruppe war sehr intensiv. Einige Jahre später verschaffte er den Malern auch den Durchbruch in Amerika. Bis zu seinem Lebensende verkaufte er tausende Bilder der impressionistischen und nach-impressionistischen Ära für die Künstler. Er veranstaltete an die 200 Ausstellungen. Sein Name ist untrennbar mit den Impressionisten verbunden und die Kunstwelt verdankt ihm viel.

Paul Durand-Ruel

In der zweiten Ausstellung der Impressionisten im April 1876 in den Räumen der Galerie Durand-Ruel waren sehr viel weniger Künstler vertreten, als bei der Ersten. Viele hatten abgesagt, weil sie nicht mit den so in der Öffentlichkeit beschimpften Künstlern, wie Degas oder Monet, in Zusammenhang gebracht werden wollten.

Auch diesmal war der Begriff Impressionismus im Titel der Ausstellung nicht enthalten. Sie nannte sich: La 2ieme Exposition de Peinture.

Titelblatt des Katalogs

Cézanne machte nicht mit, denn er wollte nur Bilder im offiziellen Salon des Jahres einreichen. Er war dann allerdings nicht überrascht, dort wieder nicht angenommen zu werden. Auch Édouard Manet ließ sich wiederum nicht überreden gemeinsam mit den anderen Malern auszustellen.

Hatten in der ersten Gruppenausstellung noch 30 Künstler teilgenommen, waren es jetzt nur 18, die ihre Werke bei Durand-Ruel zeigten, davon einige Neue, wie Gustave Caillebotte.

Die im Katalog von 1876 angegebenen Nummern werden im Folgenden dem Bildtitel vroangestellt. Die Bildertitel entsprechen denjenigen im Katalog.

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Gustave Caillebotte

19. August 1848 in Paris; 21. Februar 1894 in Gennevilliers

Er wurde von Renoir der Gruppe empfohlen. Neben seiner Malerei, die er zu fünf Impressionisten Ausstellungen beisteuern wird, war er auch ein Unterstützer in finanzieller Hinsicht. Mit 25 Jahren hatte er ein Gut geerbt, welches ihn unabhängig machte. Er malte Bilder, sammelte aber auch die der Kollegen. Er half, wo er konnte, mietete Ausstellungsräume an (so auch schon die für die erste Ausstellung 1874 beim Fotografen Nadar).

Nr. 17 - Raboteurs de parquets
1875 - 102 x 145,5 cm - Öl auf Leinwand
Musée d'Orsay, Paris >

Nach einer akademischen Ausbildung wurde er beeinflusst von Degas, Monet und Renoir und glich seinen Stil ab 1875 dem der Impressionisten an.

Seine umfangreiche Bildersammlung vermachte er dem französischen Staat, der zunächst ablehnte. Heute hängen viele Bilder seiner Sammlung im Musée d'Orsay.

Nr. 20 - Jeune homme à sa fenêtre
1876 - 117 x 82 cm - Öl auf Leinwand
Privatsammlung

Nr. 18 - Raboteurs de parquets
1876 - 80 x 100 cm - Öl auf Leinwand
Privatsammlung

Nr. 19 - Jeune Homme jouant du piano
1876 - 81 x 116 cm - Öl auf Leinwand
Bridgestone Museum of Art, Tokyo

Nr. 21 - Déjeuner
1876 - 97 x 62 cm - Öl auf Leinwand
Privatsammlung

In der Ausstellung, die 252 Werke umfasste, wurden die Bilder nach Künstler geschlossen gezeigt - nicht wie in der ersten Ausstellung durcheinander. Edgar Degas war mit etwa 24 Arbeiten vertreten.

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Edgar Degas

Foto ca. 1874

Nr. 51 a - Divers Croques de danseuses: Danseuse rajustant son chausson
1874 - 40 x 32 cm - Pinselskizze in Tinte und Gouache, auf rosa Papier
Privatsammlung

Nr. 51 b - Divers Croques de danseuses: Danseuse debout, de dos
1873 - 38,8 x 25,7 cm - Pinselskizze in Tinte und Gouache, auf rosa Papier
Musée du Louvre, Cabinett des dessins, Paris

Nr. 36 - Portraits dans un bureau (Nouevelle-Orleans)
1873 - 73 x 92 cm - Öl auf Leinwand
Musée des beaux-arts de Pau, Pau >

Nr. 37 - Examen de danse
1871/74 - 85 x 75 cm - Öl auf Leinwand
Musée d'Orsay, Paris >

Nr. 39 - Portrait de femme, (ébauche)
1869 - 55 x 65 cm - Öl auf Leinwand
The Metropolitan Museum, New York >

Nr. 49 - Blanchisseuse (silhouette)
1873 - 54 x 39 cm - Öl auf Leinwand
The Metropolitan Museum, New York >

Nr. 43 - Portrait, le soir
1869/1870 - 72 x 92 cm - Öl auf Leinwand
National Gallery of Art >

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Claude Monet

Monet ca, 1874

Claude Monet zeigte in der Ausstellung 18 Bilder, davon einige heute sehr bekannte, die er zum Teil ausgeliehen hatte, von Jean-Baptiste Faure einem Sänger, und auch von Vctor Chocquet. Das Bild, welches die größte Aufmerksamkeit in der Ausstellung erregte, war "La Japonaise", seine Frau Camille in einem reich bestickten Kimono dargestellt. Es wurde für die hohe Summe von 2000 Franc verkauft.

Nr 153 - Japonaise
1876 - 231 x 142 cm - Öl auf Leinwand
Museum of Fine Arts, Boston >

Nr. 156 - Le Pont d'Argenteuil
1874 - 60 x 80 cm - Öl auf Leinwand
Musée d'Orsay >

Nr. 162 - Paneau décoratif
vor 1873 - 160 x 201 cm - Öl auf Leinwand
Musée d'Orsay >

Nr. 158 - Effet d'automne
1873 - 54 x 73 cm - Öl auf Leinwand
High Museum of Art, Atlanta >

Nr. 160 - Les Bateaux d'Argenteuil
1875 - 61,8 x 82,5 cm - Öl auf Leinwand
Harvard Art Museums, Cambridge >

Nr. 164 - Les bains de la Grenouillère
1869 - 75 cm x 99,7 cm - Öl auf Leinwand
Metropolitan Museum of Art, New York >

Nr. 161 - La Promenade
1875 - 100 x 82 cm - Öl auf Leinwand
National Gallery of Art
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Berthe Morisot

Berthe Morisot - Radierung von Eduard Manet

In der Zweiten Ausstellung der Gruppe zeigte Berthe Morisot 17 Werke.

Nr. 166 - Au bal
1875 - 52 x 62 cm - Öl auf Leinwand
Musée Marmottan Paris >

Nr. 175 - Un percher de blanchisseuse
1875 - 33 x 40.6 cm - Öl auf Leinwand
National Gallery of Art, Washington DC >

Nr. 178 - Figur de femme
1875 - 57,3 x 30,7 cm - Öl auf Leinwand
Privatsammlung

Nr. 168 - La Toilette
1876 - 54 x 45 cm - Öl auf Leinwand
Privatsammlung

Nr. 180 - Entrée de la Midina, ile de Wight
1875 - 19 x 17,4 cm - Aquarell über Graphit auf cremefarbenem Papier
Harvard Art Museum >

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Zu dieser Ausstellung musste sich natürlich auch der damals tonangebende Kritiker Albert Wolff zu Worte melden, der schon die erste Austellung 1874 völlig verrissen hatte: "Neues Unheil ist über die Rue Peletier hereingebrochen. Fünf oder sechs Verrückte, darunter eine Frau, haben, von Ehrgeiz verblendet, hier ihre Werke ausgestellt. Viele Besucher bekommen vor diesen Machwerken Lachkrämpfe. Mir zieht es bei ihrem Anblick das Herz zusammen. Diese sogenannten Künstler bezeichnen sich als Umstürzler und Impressionisten. Sie nehmen Leinwand, Farbe, Pinsel, setzen, je nach Lust und Laune, einige Töne nebeneinander und glauben, sie hätten schon etwas Großes geleistet. Das Ganze erinnert an Ville Evrard (Name einer Irrenanstalt), wo die verwirrten Patienten Steine aufheben und sich einbilden, sie hätten Diamanten gefunden. [...]
Schaurige Beispiele menschlicher Eitelkeit. Wie soll man Pissarro erklären, dass Bäume nicht violett sind und der Himmel nicht die Farbe frischer Butter hat, dass die von ihm gemalten Dinge in keinem Land zu sehen sind und kein intelligenter Mensch derartige Verwirrungen akzeptieren kann. Verlorene Mühe."

Berthe Morisots Gatte Eugène Manet soll nur schwer davon abzuhalten gewesen sein, den schmähenden "Kritiker" zum Duell zu fordern.
Diesem hier nur in Auszügen zitierten Artikel stehen ein paar positive Reaktionen wie von Emile Zola oder Georges Rivières entgegen, die sich sehr viel mehr mit der neuen Malerei und den einzelnen Künstlern auseinander setzten. Zola fand zwar die Werke von Caillebotte phantasielos, pries aber vor allem Berthe Morisot, Pissarro, Renoir und Sisley sowie ganz besonders Monet. Degas wurde allerdings scharf kritisiert, dessen Malerei Zola als kraftlos und beklagenswert bezeichnete.
Die meisten damals veröffentlichten Kritiken sahen allerdings wiederum in Degas, der ja die Freiluftmalerei der anderen ablehnte, als einzig akzeptablen Künstler an.
Auch der noch junge August Strindberg äußerte sich in einem Artikel über die Impressionisten: "Wir sahen wundervolle Bilder,..."

Allerdings stellten auch einige in ihren Artikeln fest, dass sich im offiziellen Salon doch ein Einfluss bemerkbar machte: "... was den diesjährigen Salon charakterisiert, ist der Drang nach Licht und Wahrheit. Alles was an Überlieferung, Künstliches und Falsches erinnert, zählt nicht mehr ... Nun wohl, die Impressionisten haben zu dieser Entwicklung beigetragen. Wer bei Durand-Ruel gewesen ist und die echten und wahren Landschaften ... gesehen hat, wird dies nicht mehr bezweifeln." schrieb Castagnary.

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Auguste Renoir

Selbstporträt
1876 - 73 x 53 cm - Öl auf Leinwand - Harvard Art Museums

Der Maler stellte 15 Bilder aus, wobei er 6 von Chocquet auslieh.

Nr. 221 - Déjeûner chez Fournaise
1875 - 55 x 65.9 cm - Öl auf Leinwand
Art Institute of Chicago >

Nr. 219 - Femme au piano
1875/76 - 93 x 74 cm - Öl auf Leinwand
Art Institute of Chicago >

Nr. 212 - Étude
1876 - 81 x 65 cm - Öl auf Leinwand
Musée d'Orsay >

Nr. 225 - La Promenade
1875/76 - 170 x 108 cm - Öl auf Leinwand
The Frick Collection, New York >

Nr. 217 - Tête de femme
ca 1876 - 35 x 27 cm - Öl auf Leinwand
Arp Museum Bahnhof Rolandseck >

Nr. 224 - Frédéric Bazille, peintre tué à Beaune-la-Rolande
1867 - 106 x 74 cm - Öl auf Leinwand
Musée d'Orsay >

Nr. 214 - Tête de homme
ca. 1875 - 53 x 43.5 cm - Öl auf Leinwand
Harvard Art Museum >

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Alfred Sisley

Von den bekannten impressionistischen Künstlern haben an der zweiten Ausstellung noch Sisley und Pissarro teilgenommen.

Renoir: Portrait Alfred Sisley
1874 - 65 x 54 cm - Öl auf Leinwand - Art Institute of Chicago

Sisley hatte acht Landschaftsbilder eingereicht. Emile Zola, der in einer Zeitung über den Salon von 1876, aber auch über die Ausstellung der Gruppe geschrieben hatte, meinte:
"Andere Künstler haben gegen die Tyrannei der Jury (- des Salons - ) rebelliert. Eine Gruppe junger Maler hat geschworen, keine Gemälde in die offizielle Ausstellung zu senden, deren Türen für sie einige Jahre geschlossen waren. Diese innovativen Künstler beschlossen, Räume in einer Galerie im Frühjahr zu mieten, für eine unabhängige Ausstellung ihrer Werke und um sie für das Publikum zu öffnen." Und weiter:"... Es besteht kein Zweifel, dass wir Zeugen der Geburt einer neuen Schule sind. In dieser Gruppe erkennen wir eine revolutionäre Gärung, die allmählich über die Akademie der bildenden Künste gewinnen wird, und in zwanzig Jahren wird das Erscheinungsbild des Salons sich verwandeln..."
Zu Sisley schrieb Zola:
"Sisley ist auch ein Landschaftsmaler von großer Begabung, viel ausgewogener als Pissarro. Er weiß, den Schnee mit einer bemerkenswerten Genauigkeit und Präzision wiederzugeben. Seine Malerei "Überschwemmung in Port-Marly" wird von breiten Pinselstrichen und zarter Farbgebung beherrscht."

Nr. 244 - L'inondation Port-Marly
1876 - 60 x 81 cm - Öl auf Leinwand
Musée d'Orsay >

Nr. 240 - L'Abreuvoir de Marly, en hiver
1875 - 49 x 65 cm - Öl auf Leinwand
The Natianal Gallery, London >

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Camille Pissarro

Selbstporträt Pissarro
1873 - 55 x 46 cm - Öl auf Leinwand - Musée d'Orsay

Pissarro hat 12 Bilder in der Ausstellung gezeigt.
Um wieder Zola aus dem Artikel zu zitieren: "Pissarro ist noch revolutionärer als Monet. Seine Pinselführung ist noch einfacher und naiver. Ein Blick auf die Landschaften und das bunte Angebot kann den Uneingeweihten verwirren…"

Nr. 201 - Ferme à Montfoucault
1874 - 60 x 73 cm - Öl auf Leinwand
Musée d'Art et d'Histoire, Genève >

Nr. 200 - Neige. Coteaux de l'Hermitage (Pontoise)
1874 - 55 x 66 cm - Öl auf Leinwand
Privatsammlung

Nr. 202 - Les Coteaux du Choux
1874 - 54,9 x 92,1 cm - Öl auf Leinwand
Metropolitan Museum of Art, New York >

Nr. 198 - Un Etang à Montfoucoult (Mayenne)
1874 - 53,5 x 65,5 cm - Öl auf Leinwand
Privatsammlung

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Es waren weniger Besucher gekommen, als zur ersten Ausstellung der Gruppe. Für alle Künstler war diese Ausstellung aber wenigstens kein finanzieller Verlust. Durand-Ruel konnte mit den Einnahmen erreichen, dass alle ihr eingesetztes Geld zurückerhielten und sogar für jeden ein Plus von 3 Franc herauskam. Auf einer Versammlung nach Schluss der Ausstellung wurde beschlossen, im nächsten Jahr 1877 wieder eine Ausstellung zu wagen. Als neues Mitglied wurde unter anderem Cézanne vorgeschlagen und aufgenommen. Auch Manet wurde gefragt, der aber wieder ablehnte.

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Marcellin Desboutin
1823 - 1902

Portrait Edgar Degas 1875 (Kaltnadelradierung)

Desboutin hat im Salon des Öfteren teilgenommen und wurde auch mit einer Silbermedaille ausgezeichnet. Er hat viele Radierungen angefertigt.

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