Magrasku

Kunst ab 1840
Kunst 1865 - 1886
Vor dem Impressionismus

Barbizon
und
Jean-François Millet

Kunast ab 1840
Barbizon
Englische Maler
Ingres, Delacroix
Nazarener u.a.
Gustave Courbet
Camille Corot
Japonismus
Auf dem Weg
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Vielfach wird von der "Schule von Barbizon" gesprochen, doch das ist irreführend. Die Künstler, die dort zusammengefasst werden, waren nie eine in sich geschlossene Gruppe, noch eine Malschule, vieleicht wäre die Bezeichnung Künstlerkolonie deshalb besser. Einige der der Gruppe Zugerechnenten ließen sich für lange Zeit in Barbizon nieder, andere logierten nur zeitweise oder sporadisch im Sommer dort.

Es ist auch festzuhalten, dass es sich um keine Gruppe mit festen künstlerischem oder theoretischem Programm handelt. Es gibt keine gemeinsamen Abhandlungen über Kunst, dafür wären sie auch zu unterschiedlich in ihrer Auffassung gewesen.

Es war aber eine der ersten Gruppen von französischen Künstlern, die sich freimachten von der starren akademischen Traditon, der damals mächtigen offiziellen Akademien: eine gemeinsame Abkehr vom akademischen Klassizismus in der Thematik Landschaft, aber nicht so in Technik oder Stil. Es waren mehr künstlerische Individualisten, die neue Wege gingen und um neue Bildinhalte kämpften.

Théodore Etienne Pierre Rousseau
* 15. April 1812 in Paris; † 22. Dezember 1867 in Barbizon

Paysage d'été
42 x 64 cm - Öl auf Leinwand
Privatsammlung

Le pêcheur, tôt le matin - Le Grand Refusé
ca. 1865 - 99 x 134 cm - Öl auf Leinwnad
Norton Simon Museum of Art, Pasadena >

Sie hatten jeder für sich ihre Vorbilder, beispielsweise in der holländischen Malerei, wie die von Jacob van Ruisdael, oder in den englischen Malern John Constable, William Turner und Richard Parkes Bonington. Interessant auch die intensive Kenntnis und große Bewunderung der Maler von Barbizon für die zu der Zeit in Europa auftauchende japanische Malerei von Hiroshige oder Hokusai.

Die Maler von Barbizon strebten danach, in der Freilichtmalerei dem wahren Charakter einer Landschaft nachzuspüren, alles genau zu studieren und – vor den Impressionisten noch – auch das Licht des jeweiligen Augenblicks einzufangen! Aber es nicht zu einem Hauptthema zu machen, wie Monet oder andere. Man muss sie jedoch als Vorläufer der Impressionisten ansehen, auch wenn sie sich noch deutlich unterscheiden in ihren künstlerischen Auffassungen von denen ihrer "berühmteren" Nachfolger.

Plein-air-Malerei war damals aus akademischer Sicht ganz klar als Übungsarbeit, als vorbereitende Studie definiert, für die im Atelier dann zu komponierenden großen Gemälde der Ideallandschaft.
Im Gegensatz dazu setzten die jungen Maler mit ihrer Arbeit den emotional empfundenen intimen Naturausschnitt entgegen, in der neuen Sicht der "Paysage intime".

Die Ölmalerei war ja auch aus technischen Gründen noch in den ersten Jahren des Jahrhunderts meist auf das Atelier beschränkt, weil der Transport und die Lagerung, wie auch die Handhabung der Farben im Freien sich sehr schwierig gestaltete. 1841 wurden erstmals die Farben in Tuben produziert, was die Arbeit im Freien sehr erleichterte und damit auch eine Neuerung der künstlerischen Arbeit einläutete und die Freiluftmalerei veränderte. Erfinder dieser Tubenfarben war der Amerikaner John Rand, der sich als Maler über eingetrocknete Ölfarben ärgerte und ein Patent dazu anmeldete. Die Firma Winsor & Newton, London übernahm noch im gleicne Jahr 1841 die Methode und produzierte Farben in Tuben.

Patentschrift und Tuben von 1841

Zu der Gruppe werden insbesondere gezählt:
Théodore Rousseau
(er wird als Begründer der "Paysage intime" gesehen und war einer der ersten Freilichtmaler. In seinen präzisen Darstellungen der Landschaft ist Rousseau bemüht, ihre Stimmung einzufangen und realistisch wiederzugeben)
Charles-François Daubigny
(mit harmonisch leichteren Werken, die versuchen viel spontanes und unmittelbares Landschafts-Erleben zu zeigen),
Constant Troyon
(entwickelte eine Meisterschaft in der Darstellung von Tieren in der Landschaft)
Narcisse Diaz De La Peña
(malte viele Landschaftsbilder aus Fontainebleau, die er mit Figuren schmückte)
und Jules Dupré
(neben Rousseau der Hauptvertreter der Paysage Intime, eine Landschaft in seiner eigenen Stimmung in Farbe und Licht zu schildern.)

Dazu werden noch einge andere Maler gezählt, wie Charles Jaque oder Gabriel Chardin u.a. Im weitesten Sinne, je nach Betrachtungsweise, sind mit den vorstehenden auch Jean-Francois Millet, Camille Corot und Gustave Courbet verbunden, denn sie waren gelegentlich ebenfalls in Barbizon und haben mit den anderen zusammen gearbeitet und diskutiert.

Charles-François Daubigny
* 15. Februar 1817 in Paris; † 19. Februar 1878 Paris

Orchard
1865/69 - 55 x 107 cm - Öl auf Leinwand
Rijksmuseum Amsterdam
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Paysage avec un flux ensoleillé
ca. 1877 - 64 x 48 cm - Öl auf Leinwand
Metropolitan Museum of Art, New York
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Jules Dupré
* 5. April 1811[1] in Nantes; † 6. Oktober 1889 in L’Isle-Adam

Fontainebleau chênes
ca. 1840 - 81 x 99 cm - Öl auf Leinwand
Minneapolis Institute of Art >

Sur la route
1856 - 39 x 50 cm - Öl auf Leinwand
Art Institute of Chicago >

So unterschiedlich die Künstler alle waren, die in Barbizon arbeiteten, so haben sie die moderne Malerei doch erheblich beeinflusst und den Weg vorbereitet, als sie mit den festgefahrenen erkalteten Traditionen der Akademien brachen und der Kunst ein neues Leben einhauchten. Es waren Landschaften und Situationen aus der Zeit, keine Idealllandsschaften mehr wie bisher. Die Impressionisten entwickelten die Ideen weiter... alles fließt!

Constant Troyon
* 28. August 1810 in Sévres bei Paris; † 21. Februar 1865 in Paris

Le Pâturage à la gardeuse d'oies
1854 - 80 x 117 cm - Öl auf Leinwand
Musée d'Orsay
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Récolte de pommes en Normandie
61 x 81 cm - Öl auf Leinwand
Worchester Art Museum >

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Narcisse Diaz De La Peña
* 20. August 1807 in Bordeaux; † 18. November 1876 in Menton

Ramasseuse de bois en jupe rouge, forêt de Fontainebleau
ca 1866 - 19 x 25 cm - Öl auf Holz
Privatsammlung

Marche de Vallée
1872 - 58 x 73 cm - Öl auf Holz
Cincinnati Art Museum
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Jean-François Millet

* 4. Oktober 1814 im Weiler Gruchy in Gréville-Hague, Normandie;
† 20. Januar 1875 in Barbizon

Jean-François Millet, geboren in der Normandie, wird zwar immer genannt zusammen mit den Künstlern wie Rousseau, Dupré oder Daubigny. Doch lag das mehr daran, dass er ab 1849 mit seiner Familie mehrere Jahre in Barbizon lebte. Seine Absichten in der Kunst waren aber zunächst ganz andere, als die seiner dortigen Kollegen.

Œdipe enlevé de l'arbre
1847 - 136 x 78 cm - Öl auf Leinwand
National Gallery of Canada, Ottawa >

L'offrande a Pan
1845 - 52 x2 9 cm - Öl auf Leinwand
Musée Fabre, Montepellier

Anfangs malte er Portraits und mythologische Szenen wie sie damals beliebt waren. Danach widmete er sich dem bäuerlichen Leben. Das Bild "Le Vanneur" galt als Sensation auf dem Pariser Salon und brachte ihm den Ruf eine Revolutionärs ein, was ihm so gar nicht gefiel.

Un vanneur
ca 1848 - 79 x 58 cm - Öl auf Holz
Musée d'Orsay
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Wie dieses Motiv, malte er auch eins seiner bekanntesten Bilder, die Kornleserinnen, mehrmals, die Version von 1853 weist leichte impressionistische Züge auf.

Été: les glaneuses
1853 - 38 x 30 cm - Öl auf Leinwand
Museum of Fine Arts, Springfield, Massachussets

Die schon erwähnte Version, für die es viele Vorzeichnungen gibt, entstand 4 Jahre später und vermittelt die Schwere bäuerlicher Arbeit in gebückter Haltung, das Ganze optisch unterstrichen durch die Bewegung nach links.

Les glaneuses
ca 1857 - 19 x 25 cm - Radierung

Des glaneuses
1857 - 83 x 110 cm - Öl auf Leinwand
Musée d'Orsay
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l'Angélus
1857/59 - 55 x 66 cm - Öl auf Leinwand
Musée d'Orsay
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Erst später, so ab 1863 wandte er sich ausschließlich der für die Maler aus Barbizon typischen Landschaftsmalerei zu, die ihn auf Grund der Behandlung des Lichts in den Bildern in die Nähe der Symbolisten führen. Es entstanden sehr viele Pastellzeichnungen, die leider nicht oft zu sehen sind. In dieser Zeit wurde er mit dem Orden der Ehrenlegion ausgezeichnet.

Le semeur
ca 1865 - 43 x 53 cm - Pastell und Buntstift auf Papier
Walters Art Museum, Baltimore >

Les scieurs de bois
1850/52 - 57 x 81 cm - Öl auf Leinwand
Victoria & Albert Museum, London >

Hier noch eine wunderbare Radierung von Jean-François Millet: "Die Schäferin", entstanden 1862.

La Grande Bergère
1862 - 32 x 24 cm - Radierung in brauner Tinte auf Bütten
Brooklyn Museum, New York

Man muss sich dabei vergegenwärtigen, dass das zeitgenössische Publikum bei dieser Blatt die "Freiheit der Ausführung" als höchst befremdend, teilweise schockierend empfand. Das kann man wohl heute nicht mehr so ganz nachvollziehen...

Nebenbei: Max Liebermann schätzte die Maler von Barbizon sehr und besuchte 1874 Millet noch kurz vor seinem Tod im Jahre 1875.

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