Magrasku
Vor dem Impressionismus

Barbizon
und Jean-François Millet

Kunast ab 1840
Barbizon
Turner, Constable...
Ingres, Delacroix
Andere Künste
Gustave Courbet
Camille Corot
Auf dem Weg
Japonismus
Kunst ab 1840
Kunst 1865 - 1886
Kunst Theorie
Vielfach wird von der "Schule von Barbizon" gesprochen, doch das ist irreführend. Die Künstler, die dort zusammengefasst werden, waren nie eine in sich geschlossene Gruppe, noch eine Malschule, vieleicht ist die Bezeichnung Künstlerkolonie deshalb besser. Einige der der Gruppe Zugerechnenten ließen sich für lange Zeit in Barbizon nieder, andere logierten nur zeitweise oder sporadisch im Sommer dort.

Zunächst ist auch festzuhalten, dass es sich um keine Gruppe mit festen künstlerischem oder theoretischem Programm handelt. Es gibt keine gemeinsamen Abhandlungen über Kunst, dafür wären sie auch zu unterschiedlich in ihrer Auffassung gewesen.

Es war aber eine der ersten Gruppen von französischen Künstlern, die sich freimachten von der starren akademischen Traditon, der damals mächtigen offiziellen Akademien: eine gemeinsame Abkehr vom akademischen Klassizismus in der Thematik Landschaft, aber nicht so in Technik oder Stil. Es waren mehr künstlerische Individualisten, die neue Wege gingen und um neue Bild Inhalte kämpften.

Théodore Rousseau

Sie hatten jeder für sich ihre Vorbilder, beispielsweise in der holländischen Malerei, wie von Jacob van Ruisdael, oder in den englischen Malern John Constable, William Turner und Richard Parkes Bonington. Interessant auch die intensive Kenntnis und große Bewunderung der Maler von Barbizon für die zu der Zeit in Europa auftauchende japanische Malerei von Hiroshige oder Hokusai.

Die Maler von Barbizon strebten danach in der Freilichtmalerei dem wahren Charakter einer Landschaft nachzuspüren, alles genau zu studieren und – vor den Impressionisten noch – auch das Licht des jeweiligen Augenblicks einzufangen! Aber es nicht zu einem Hauptthema zu machen, wie Monet oder andere. Man muss sie jedoch als Vorläufer der Impressionisten ansehen, auch wenn sie sich noch deutlich unterscheiden in ihren künstlerischen Auffassungen von denen ihrer "berühmteren" Nachfolger.

Plein-air-Malerei war damals aus akademischer Sicht ganz klar als Übungsarbeit, als vorbereitende Studie definiert, für die im Atelier dann zu komponierenden großen Gemälde der Ideallandschaft.
Im Gegensatz dazu setzten die jungen Maler mit ihrer Arbeit den emotional empfundenen intimen Naturausschnitt entgegen, in der neuen Sicht der "Paysage intime".

Die Ölmalerei war ja auch aus technischen Gründen noch in den ersten Jahren des Jahrhunderts meist auf das Atelier beschränkt, weil der Transport und die Lagerung, wie auch die Handhabung der Farben im Freien sich sehr schwierig gestaltete. 1841 wurden erstmals die Farben in Tuben produziert, was alles sehr erleichterte und damit auch eine Neuerung der künstlerischen Arbeit einläutete und die Freiluftmalerei veränderte.

Charles-François Daubigny

Zu der Gruppe werden insbesondere gezählt:
Théodore Rousseau
(er wird als Begründer der "Paysage intime" gesehen und war einer der ersten Freilichtmaler. In seinen präzisen Darstellungen der Landschaft ist Rousseau bemüht, ihre Stimmung einzufangen und realistisch wiederzugeben)
Charles-François Daubigny
(mit harmonisch leichteren Werken, die versuchen viel spontanes und unmittelbares Landschafts-Erleben zu zeigen),
Constant Troyon
(entwickelte eine Meisterschaft in der Darstellung von Tieren in der Landschaft)
Narcisse Diaz De La Peña
(malte viele Landschaftsbilder aus Fontainebleau, die er mit Figuren schmückte)
und Jules Dupré
(neben Rousseau der Hauptvertreter der Paysage Intime, eine Landschaft in seiner eigenen Stimmung in Farbe und Licht zu schildern.)

Dazu werden noch einge andere Maler gezählt, wie Charles Jaque oder Gabriel Chardin u.a. Im weitesten Sinne, je nach Betrachtungsweise, sind mit den vorstehenden auch Jean-Francois Millet, Camille Corot und Gustave Courbet verbunden, denn sie waren gelegentlich ebenfalls in Barbizon und haben mit den anderen zusammen gearbeitet und diskutiert.

Jules Dupré

So unterschiedlich die Künstler alle waren, die in Barbizon arbeiteten, so haben sie die moderne Malerei doch erheblich beeinflusst und den Weg vorbereitet, als sie mit den festgefahrenen erkalteten Traditionen der Akademien brachen und der Kunst ein neues Leben einhauchten. Die Impressionisten entwickelten die Ideen weiter... alles fließt!

Constant Troyon

Narcisse Diaz De La Peña

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Jean-François Millet, geb.4.10. 1814 in der Normandie, wird zwar immer genannt zusammen mit den Künstlern wie Rousseau, Dupré oder Daubigny. Doch lag das mehr daran, dass er ab 1849 mit seiner Familie mehrere Jahre in Barbizon lebte. Seine Absichten in der Kunst waren aber zunächst ganz andere, als die seiner Kollegen dort.
Anfangs malte er Portraits und mythologische Szenen wie sie damals beliebt waren. Danach widmete er sich dem bäuerlichen Leben. Das Bild "Le Vanneur" galt als Sensation auf dem Pariser Salon und brachte ihm den Ruf eine Revolutionärs ein der ihm so gar nicht gefiel.

Wie dieses Motiv, malte er auch eins seiner bekanntesten Bilder, die Kornleserinnen mehrmals, die Version von 1853 weist leichte impressionistische Züge auf.

Die schon erwähnte Version, für die es viele Vorzeichnungen gibt, entstand 4 Jahre später und vermittelt die Schwere bäuerlicher Arbeit in gebückter Haltung, das Ganze optisch unterstrichen durch die Bewegung nach links.

Das wohl berühmteste Bild aus seiner Hand ist das "Angelusläuten"

Erst später, so ab 1863 wandte er sich ausschließlich der für die Maler aus Barbizon typischen Landschaftsmalerei zu, die ihn auf Grund der Behandlung des Lichts in den Bildern in die Nähe der Symbolisten führen. Es entstanden sehr viele Pastellzeichnungen, die leider nicht oft zu sehen sind. In dieser Zeit wurde er mit dem Orden der Ehrenlegion ausgezeichnet.

Millet - Opferung für Pan

Hier noch eine wunderbare Radierung von Jean-François Millet: "Die Schäferin", entstanden 1862.

Man muss sich dabei vergegenwärtigen, dass das zeitgenössische Publikum bei dieser Blatt die "Freiheit der Ausführung" als höchst befremdend, teilweise schockierend empfand. Das kann man wohl heute nicht mehr so ganz nachvollziehen...

Nebenbei: Max Liebermann schätzte die Maler von Barbizon sehr und besuchte 1874 Millet noch kurz vor seinem Tod im Jahre 1875.