Magrasku
Vor dem Impressionismus

Japonismus

Kunast ab 1840
Barbizon
Turner, Constable...
Ingres, Delacroix
Andere Künste
Gustave Courbet
Camille Corot
Auf dem Weg
Japonismus
Kunst ab 1840
Kunst 1865 - 1886
Kunst Theorie

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Japanische
Holzschnittkunst

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Wie im Beitrag über Barbizon erwähnt, lernten die Künstler damals die für sie neue Welt der japanischen Kunst kennen. Die Werke von Hiroshige, Hokusai oder Utamaro waren in Europa bis dahin weitgehend unbekannt, auch schon deshalb, weil Japan damals sich noch vor der übrigen Welt hermetisch abschloss. Mit der Öffnung wurden auch japanische Künste bekannt.

Die nachfolgend genannten Künstler entstammen etwa der gleichen Zeit von 1750 bis 1850. Die Reihe ist sicher unvollständig und soll nur beispielhaft sein.

Der älteste der drei ist Katagawa Utamaro (1753-1806). Er gilt wegen des schier unüberschaubaren Umfangs seiner Arbeit, als der wichtigste Künstler im Bereich Farbholzschnitt, der in Japan einen absolut hohen Qualitätsstand durch ihn erreichte. Es zeichnen ihn besonderes kompositorisches Geschick aus und ein sehr selbständiger Umgang mit den Techniken. Dazu gehörte auch die Verfeinerung mit Perlmutt oder Goldstaub. Mit großem Erfolg widmete er sich neben Anderem der Darstellung schöner anmutiger schlanker Frauen.

"Näharbeit"

"Drei berühmte Schönheiten"

Katsushika Hokusai (1760-1849) wird ebenfalls einer der größten Meister des Farbholzschnitts genannt. Die Linie war Erzählung, ihre genaue Führung und die pastellfarbene Durchführung halten Landschaften und Geschichten fest, die durch ihre Lebendigkeit beeindrucken. Landschaften, Blumen und Vögel sind sein Markenzeichen geworden. Sein bekanntestes Werk ist die "große Welle bei Kanagawa". Ein Bild, welches einen hohen Berühmtheitsgrad wohl auch in Europa erreicht hat.

"Die große Welle bei Kanagawa"

Schwertlilien

Utagawa Hiroshige (1797-1858) ist für seine stimmungsvollen Landschaften bekannt, die er in ganzen Serien verschiedenster Blickwinkel verband, wie den "Hundert Ansichten von Edo". Er war ein sanfter Interpret der Landschaft, der dem japanischen Empfinden zur ruhigen, ausgeglichenen Lebensform sehr nahe kam. Die Bilder sind voller Atmosphäre, und der Mensch ist ein Teil dieser Natur; einige Arbeiten erinnern an Malereien der Zen-Künstler.

"Abendregen auf der Großen Brücke"
100 Ansichten von Edo

Etwa um 1850 wurden japanische Bilder, Keramiken oder auch Wandschirme in Europa bekannt. Holzschnitte fanden langsam in der Künstlerschaft Verbreitung. Man lernte die japanische Kunst kennen. Es dauerte aber noch Jahre bis diese als exotisch angesehene Kunst in die Arbeit der Europäer einfloss. Zunächst tauchten in den europäischen Bildern japanische Werke als "Dekoration" auf, sie veränderten den Stil der Malerei aber nicht. Der Bildaufbau blieb traditionell europäisch. Schönes Beispiel dafür ist das Bild von Manet: ein Portrait von Zola, auf dem im Hintergrund japanische Motive zu sehen sind.

Édouard Manet: Portrait Émile François Zola (1868)

Wurden bis dahin japanische Motive nur eingefügt, so verändert sich mit van Gogh die Sichtweise. Auch van Gogh hat sich intensiv beschäftigt mit den „Bildern der heiteren, vergänglichen Welt“, der ukiyo-e. Wie viele andere Künstler besaß er auch viele Blätter japanischer Holzschnitte. Er ging aber als erster einen Schritt weiter: In drei "Japonaiserien" versucht van Gogh das japanische Vorbild nicht nur in der Form zu übernehmen, sondern sich dessen Geist anzueignen. Da ist einmal die Komposition ohne die in Europa illusionistische Tiefe, die Farbe wird flächenhafter. Wichtiges Kennzeichen ist auch die andere Auffassung und Aufteilung des Raumes. Es existieren noch Papierpausen die dann zu Gemälden führten, die sein Verständnis für die japanische Kunstauffassung vertiefte.

Utagawa Hiroshige – Die Brücke im Regen
+ (rechts) Vincent van Gogh – Japonoiserie: Die Brücke (1887)

Utagawa Hiroshige – Blühneder Pflaumenbaum im Kameido-Garten
+ (rechts) Vincent van Gogh – Japonoiserie: Der Baum (1887)

Die Beschäftigung van Goghs mit dem Japonismus hat seine eigene Malweise stark beeinflusst, er hat sich dadurch von seinen Vorbildern aus Barbizon und den Impressionisten weg weiterentwickelt.

Van Goghs Arbeiten markieren auch einen entscheidenden Wendepunkt in der europäischen Kunst: Von nun an nahmen die Künstler die verschiedensten Kunstwerke aus aller Welt (also nicht nur aus Japan) für ihre Arbeit wahr und verarbeiteten die Eindrücke und Einflüsse. Es veränderte die künstlerische Arbeit grundlegend.

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Auf der Pariser Weltausstellung 1878 wurde japanische Kunst als ein Höhepunkt präsentiert. Das hatte natürlich auch Auswirkungen auf die Arbeit europäischer Künstler, die schon zuvor die neuen Ideen aufgriffen und verarbeiteten.

Neben Keramik wurden Kleidungsstücke wie Kimonos und Gewänder aus japanischem Theater auf der Ausstellung gezeigt. Auch im Bereich der Malerei und des Holzschnittes waren die farbenreichen Stoffe, die kostbar "japanoise" gekleideten Menschen Thema. Hier ein paar Beispiele aus der Zeit ab 1865 die in Europa bekannt wurden.

Holzschnitt von Hiroshima und Kunisada
(Es war keine Seltenheit, dass zwei Künstler an einem Holzschnitt arbeiteten – hier ist die Landschaft von Hiroshima und die Figur von seinem Kollegen)

Holzschnitt von Utamaro

Schauspieler in der Kleidung für ein Theaterstück

Und dazu die europäische Verarbeitung:

Claude Monet - Madame Monet in japanischem Kostüm

James McNeill Whistler: Prinzessin aus dem Porzelanland

Der Einfluss reichte deutlich auch bis in den Jugendstil, wie am folgenden Bild zu sehen:

Gustav Klimt - Die Umarmung
aus dem Stocklet-Fries in Brüssel